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Autarkie – Wie unabhängig ist man durch Photovoltaik wirklich?

Autarkie – Wie unabhängig ist man durch Photovoltaik wirklich?

Thor Marquardt
Zuletzt aktualisiert:
11.9.2022

Die Motive für Solarenergie und Photovoltaik sind schnell genannt: Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Kostenersparnisse. Doch für viele PV-Anlagen-Besitzer spielt noch ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: Autarkie. Aber wie viel Unabhängigkeit bietet Ihnen eine Photovoltaikanlage wirklich? Und ist 100 % Autarkie durch PV-Strom überhaupt möglich?

Was bedeutet Autarkie im PV-Kontext?

Wer keine Solaranlage besitzt, bezieht seinen Strom über das öffentliche Stromnetz. Im Umkehrschluss heißt das, dass man als Solaranlagen-Besitzer nicht oder nur noch in Teilen darauf angewiesen ist.

Autarkie bezeichnet also den Grad an Unabhängigkeit von der öffentlichen Stromversorgung. Man sagt auch „Autarkiequote“ dazu. Ist Ihr Eigenbedarf über den selbst produzierten Strom komplett abgedeckt, dann wird das als vollständige Autarkie bezeichnet. Je weniger Strom Sie also von den lokalen Energie-Versorgungsunternehmen beziehen, desto höher ist Ihr Autarkiegrad.

Bilanzielle vs. lokale Autarkie

Wer sich mit Autarkie befasst, wird schnell feststellen, dass man hier immer etwas genauer hinschauen muss. Denn allgemein wird zwischen lokaler und bilanzieller Autarkie unterschieden. Was heißt das im Klartext?

Wer wirklich unabhängig von den lokalen Stromversorgern sein möchte, für den ist eigentlich nur die lokale Autarkie relevant. Diese sagt nämlich aus, dass der Verbrauch vollständig aus der eigenen PV-Anlage bezogen werden kann. 

In der Praxis ist das aber eher die Ausnahme. Allein schon deshalb, weil in den Sommermonaten mehr Strom erzeugt wird als im Winter. Dazu kommt, dass der private Stromverbrauch im Winter auch meistens etwas höher ist.

Wenn sich nun aber zum Jahresabschluss beide Werte ausgleichen, so wird das als bilanzielle Autarkie bezeichnet. In der Summe wurde mindestens genauso viel Strom erzeugt wie verbraucht. Dennoch musste man immer mal wieder auf Strom der regionalen Stromversorger zurückgreifen.

Ist ein hoher Autarkiegrad automatisch besser?

Ist ein hoher Autarkiegrad automatisch besser?

Wie Sie eben gelesen haben, gibt es viele Gründe, die zum Kauf einer PV-Anlage bewegen. Diese sollte man sich immer vor Augen halten. 

Prinzipiell gilt, je höher Ihre Autarkiequote ist, desto mehr sind Sie in Krisenzeiten gewappnet. Außerdem spielen für Sie die kontinuierlichen Steigerungen des Strompreises nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie sparen also bei den Stromkosten und haben mehr Planungssicherheit. 

Dennoch darf man nie vergessen, dass eine leistungsstärkere PV-Anlage immer mit höheren Anschaffungskosten und mehr Platz verbunden ist. Eine überdimensionalisierte PV-Anlage sollte nicht zulasten der Wirtschaftlichkeit gehen. 

Wir empfehlen, dass Sie sich dafür am besten an einen Solar-Fachbetrieb wenden. Dieser kann Ihnen dabei helfen, das optimale Verhältnis zwischen Autarkie und Wirtschaftlichkeit zu berechnen. 

Was ist ein guter Autarkiegrad und wie erreicht man diesen?

Bei einem guten Modell liegt der durchschnittliche Autarkiegrad einer PV-Anlage ohne Speicher bei ca. 30 – 40 %. Wenn Sie sich zusätzlich einen Solarstromspeicher zulegen, kann die Autarkiequote auch auf bis zu 80 % gesteigert werden. 

Woran liegt es, dass die Quote nicht noch höher ausfällt? Ganz einfach. Deutschland liegt nicht in Südeuropa. Die Sonnenstunden sind begrenzt. Vollständige Autarkie ist also im Regelfall mit größeren Einschränkungen im Stromkonsum verbunden. Im Sommer ist es durchaus zu schaffen, dass der gesamte Stromverbrauch über die eigene PV-Anlage gedeckt wird. Im Winter jedoch nicht.

Sie sehen also, eine gute Planung in Bezug auf den Eigenverbrauch von Strom ist wichtig, um den Autarkiegrad zu erhöhen. Es empfiehlt sich beispielsweise, Waschmaschinen oder Klimaanlagen tagsüber laufen zu lassen. Sollten Sie um diese Zeit normalerweise nicht zu Hause sein, ist das kein Problem. Über die Installation von digitalen Messeinrichtungen können Sie Stromproduktion und -verbrauch bei sich im Haus zu jederzeit und von überall überprüfen. Außerdem helfen Ihnen beispielsweise smarte Steckdosen dabei, Geräte aus der Entfernung an- und auszuschalten. 

Wenn Sie darüber hinaus ein E-Auto besitzen, können Sie auch die Batterie des Fahrzeugs als Zwischenspeicher verwenden. Anschließend wird der PV-Strom per bidirektionalem Ladesystem wieder zurück in Ihr Haus gespeist. Dafür benötigen Sie nur ein intelligentes Batterie-Management-System.

Möglichkeiten, den Autarkiegrad zu erhöhen, auf einen Blick:

  • Stromverbrauch senken
  • Stromverbrauch aktiv planen
  • Smart-Home-Geräte installieren
  • Vor dem Kauf: PV-Anlagenleistung an Wirtschaftlichkeit und Autarkie orientieren

Wie berechnet man die Autarkiequote?

Den Autarkiegrad zu berechnen, ist kinderleicht. Er ergibt sich als Quotient aus dem Eigenverbrauch des Solarstroms und des gesamten Stromverbrauchs.

Eigenverbrauch = verbrauchter PV-Strom / produzierter PV-Strom

Autarkie = verbrauchter PV-Strom / verbrauchter Gesamtstrom

Beispiel: Frau Mustermann verbrauchte im Jahr 2021 4.500 kWh Strom, erzeugte mit ihrer Solaranlage 3.500 kWh/Jahr und speiste 2.500 kWh/Jahr in das öffentliche Stromnetz ein. Somit konnte Frau Mustermann 1000 kWh/Jahr für ihren eigenen Energiebedarf nutzen.

Eigenverbrauchsquote = 1.000 kWh / 3.500 kWh = 0,29 = 29 %

Autarkiequote = 1.000 kWh / 4.500 kWh = 0,23 = 23 % 

Achtung: Der soeben berechnete Wert stellt einen Durchschnittswert dar. Normalerweise ist die Autarkiequote im Winter niedriger als im Sommer. 

Wenn Sie über einen zusätzlichen Batteriespeicher verfügen, fällt der Autarkiegrad natürlich höher aus. Die Formel beinhaltet dann auch ein paar weitere Variablen. Um sich längere Berechnungen aber zu sparen, können Sie ganz einfach auf ein Tool der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin zurückgreifen. Dieses finden Sie hier

Sind 100 % Autarkie durch eine PV-Anlage überhaupt realistisch?

Um die Frage kurz und knapp zu beantworten: Es ist prinzipiell möglich, aber meistens nicht realistisch. Eigenheime, die ohne Anbindung an das öffentliche Stromnetz auskommen, bilden eher die Ausnahme. Insbesondere in Städten verhindern schlichtweg Platzgründe den Traum von einer vollständigen Autarkie.

Wenn Sie also nicht nur mit einer minimalen Menge an Strom auskommen wollen, dann benötigen Sie eine ganze Reihe an Solarmodulen, um ansatzweise die nötige Leistung aufbringen zu können. Dazu kommt noch die Größe des Solarstromspeichers, um sonnenarme Tage und Monate vollständig zu überbrücken. Das erfordert nicht nur eine besonders große Fläche, sondern geht auch ordentlich ins Geld bei den Anschaffungskosten. 

Doch Geduld! Etablierte PV-Unternehmen und diverse Neueinsteiger arbeiten fieberhaft an revolutionären PV-Technologien. Es ist zu erwarten, dass PV-Anlagen langfristig eine ähnliche Entwicklung wie Smartphones durchmachen werden: Mehr Leistung bei geringerer Größe. 

Lassen Sie sich also am besten von einem Fachmann beraten. So können Sie sicher sein, dass für Ihre Bedürfnisse das passende PV-Produkt gefunden wird.

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