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Stromzähler für Balkonkraftwerke – so finden Sie den richtigen

Stromzähler für Balkonkraftwerke – so finden Sie den richtigen

Thor Marquardt
Zuletzt aktualisiert:
16.11.2022

Sie sind auf der Suche nach dem passenden Stromzähler für Ihre Mini-Solaranlage? Dann macht es Ihnen der Fachbegriff-Dschungel nicht leicht. Saldierende oder nicht saldierende Zähler. Stromzähler mit und ohne Rücklaufsperre. Intelligenter Stromzähler. Zweirichtungszähler. Wenn auch Sie an dieser Stelle nur Bahnhof verstehen, sind Sie hier genau richtig. Wir zeigen Ihnen, welche Stromzähler erlaubt sind und welchen Sie brauchen.

Balkonkraftwerk-Zählerwechsel kurz und knapp:
Wer eine Stecker-Solaranlage auf dem Balkon, der Garage oder auf der Terrasse aufstellen möchte, muss nicht automatisch den vorhandenen Zähler austauschen. Häufig gilt das nur für alte Zähler ohne Rücklaufsperre.

Denn wenn Sie mehr Strom produzieren als Sie verbrauchen, kann es zu einer Rückwärtsdrehung des alten Zählers kommen. Das ist in Deutschland nicht erlaubt. Wie Sie diese erkennen und wann sich außerdem ein Zählerwechsel anbietet, erfahren Sie im Folgenden.

Wichtig: Alle Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre und alle einphasigen Wechselstromzähler müssen durch ein aktuelles Modell ersetzt werden. Dazu gleich mehr.

Stromzählertypen – so wird unterschieden

Die Stromzähler von Mini-Solar-Kraftwerken lassen sich grundsätzlich in drei unterschiedliche Funktionen einteilen:

  • saldierend vs. nicht saldierende Zähler
  • rückdrehende vs. rücklaufgeschützte Zähler mit Zweirichtungsmessung
  • Ferraris-/ digitale/ intelligente Stromzähler

1. Saldierende vs. nicht saldierende Zähler

Der typische Hausstromkreis ist in drei Phasen unterteilt. Drei unterschiedliche Kabel laufen unabhängig voneinander durch die Wände und werden mit Wechselstrom versorgt. Auch ein Balkonkraftwerk wird an eins dieser Kabel angeschlossen.

Der Unterschied von saldierenden und nicht saldierenden Zählern liegt in der Stromverrechnung vor der Ankunft im Stromzähler. Bei saldierenden Zählertypen werden alle drei Stromerträge zusammengefasst und als Gesamtsumme angezeigt. Sie wissen also nicht, wie viel die einzelnen Phasen verbraucht haben oder wie hoch die Stromproduktion Ihres Balkonkraftwerks war.

Ein nicht saldierter Stromzähler hält bei der Phase der Mini-Solaranlage genau fest, wie viel verbraucht und wie viel in das Stromnetz eingespeist wurde. Die anderen beiden Phasen werden in voller Höhe als Verbrauch gewertet. Ob Ihr Stromzähler saldiert ist oder nicht, können Sie durch einen Anruf beim Hersteller in Erfahrung bringen.

2. Rückdrehende vs. rücklaufgeschützte Zähler mit Zweirichtungsmessung

Rückdrehende Zähler saldieren den Stromverbrauch erst in der Anzeige. In diesem Fall kann der eingespeiste Strom nicht vom verbrauchten Strom unterschieden werden. Das mag zwar auf den ersten Blick vorteilhaft sein, jedoch ist dies nicht erlaubt.

Ein rücklaufgeschützter Zähler dagegen verhindert die Rückdrehung des Zählers. In diesem Fall wird nur das negative Ergebnis der Verrechnung gezählt (solange mehr Strom aus dem Netz bezogen wird). Sollte Ihr Balkonkraftwerk mehr Strom produzieren als verbraucht wird, bleibt der Zähler einfach stehen. So können sie steuerliche Probleme vermeiden.

Saldierende Zweirichtungszähler mit Rücklaufschutz zeichnen nicht nur das negative Ergebnis bei einem höheren Stromverbrauch auf. Bei einer Überproduktion Ihrer Mini-Solaranlage wird die Mehrerzeugung eingespeist und durch den Zweirichtungszähler separat aufgezeichnet. Dadurch haben Sie zwei Werte zum Ablesen.

3. Ferraris-/ digitale/ intelligente Stromzähler

Nach wie vor zählen Ferraris-Zähler zu den am häufigsten verbauten Zählertypen in Deutschland. Diese sind meist rückdrehend und müssen daher vor Installation des Balkonkraftwerks ausgetauscht werden. Da die Bemessungsgrundlage für die steuerlichen Abgaben auf den tatsächlich verbrauchten Strom verfälscht wird, ist dieser Zählertyp nicht zugelassen.

Bei digitalen Messeinrichtungen handelt es sich im Normalfall um saldierende Stromzähler mit Zweirichtungsmessung und Rücklaufschutz. Durch technische Erweiterungen kann eine digitale Messeinrichtung auch zu einer intelligenten umgebaut werden. Hier spricht man von einem Smart Meter. Dieses sendet die aufgezeichneten Daten in regelmäßigen Zeitintervallen in ein Rechenzentrum. Dadurch wird nicht nur eine Ablesung vor Ort überflüssig, sondern es eröffnen sich auch neue Geschäftsmodelle für Dienstleister und Versorgungsunternehmen.

Mit vielen Smartmetern können Sie Ihren Stromverbrauch via App direkt am Handy verfolgen. Oft können Sie dabei auch einsehen, welche Haushaltsgeräte oder zumindest, welcher Teilbereich des Hauses wie viel Strom verbraucht hat.

Welche Zähler sind für Mini-Solaranlagen erlaubt?

In vielen Haushalten sind, wie bereits erwähnt, noch Ferraris-Zähler eingebaut. Dabei handelt es sich um analoge Stromzähler mit Drehscheibe. Diese haben oft aber keine Rücklaufsperre. Ein solcher Stromzähler wird bei der Inbetriebnahme Ihres Balkonkraftwerks durch den Elektrofachbetrieb direkt ausgetauscht.

Nachfolgend sehen sie die häufigsten Stromzählertypen:

Digitaler Stromzähler Mechanischer Wechsel-Zähler Mechanischer Drehstrom-Zähler
Optik LCD-Display Horizontale Scheibe mit beweglichen Zahlen Horizontale Scheibe mit beweglichen Zahlen
Phasenanzahl 1 oder 3 wählbar 1 3
Besonderheiten Kopplungs-Funktion mit Smart-App, daher Preispremium Günstigste Variante Belastbarer als Wechselzähler, daher etwas teurer

Allerdings eignet sich nicht jeder der oben aufgeführten Zählertypen für ein Balkonkraftwerk. Einphasige Wechselstromzähler und alle Zähler ohne Rücklaufsperre müssen ersetzt werden. Eine Rücklaufsperre erkennen sie an dem folgenden Symbol:

Rücklaufsperre Symbol
Das Symbol für eine Rücklaufsperre

Zugelassene Stromzähler für eine Mini-PV-Anlage sind:

  • Digitale Stromzähler (Zweirichtungszähler und Zähler mit Rücklaufsperre)
  • Analoge Zähler mir Rücklaufschutz
  • Smart Meter

Gemäß der VDE-Normen sowie den Forderungen der Netzbetreiber wird der Einbau eines Zweirichtungszählers empfohlen. Zur Vermeidung steurlicher Probleme sind rücklaufgeschützte Zähler in der Regel ausreichend. Das hängt ganz von Ihrem Netzbetreiber ab.

Expertentipp: Bis 2023 sollen alle alten Ferraris-Zähler abgeschafft und durch moderne Messgeräte ersetzt werden. Somit bauen die meisten Fachbetriebe ohnehin moderne Messeinrichtungen ein.

Wie sehen nicht zugelassene Zähler aus?

Wenn Sie sich nicht genau sicher sind, welcher Stromzählertyp bei Ihnen verbaut ist, reicht häufig ein Blick auf die Farbe des Kastens. Alte Ferraris-Zähler stecken meistens in schwarzen Kästen. Außerdem haben Sie eine Zählscheibe. Sie erkennen Diese erkennen Sie leicht hinter dem Sichtfenster, wo sie sich in waagerechter Position dreht. Solche Zähler müssen ausgetauscht werden.

Ferraris-Zähler
Ein klassischer Ferraris-Zähler

Graue Stromzähler mit einem digitalen Display hingegen sind in der Regel mit Balkonkraftwerken kompatibel. Denn diese verfügen häufig bereits über moderne Messeinrichtungen. Prüfen Sie dennoch unbedingt, ob der Zähler eine eingebaute Rücklaufsperre aufweist.

Digitaler Stromzähler mit grauem Display
Digitaler Stromzähler mit grauem Display
Unser Tipp: Balkonsolaranlagen werden beim Netzbetreiber angemeldet. Dieser prüft dann sowieso, ob ein Zähleraustausch stattfinden muss. Die Anmeldung ist für Sie kostenlos und kann direkt durch den für den Einbau des Balkonkraftwerks beauftragten Fachbetrieb erledigt werden.

Wie viel kostet ein Zählerwechsel?

Im Normalfall werden die Kosten für einen Wechsel durch den Netzbetreiber übernommen. Denn ein Stromzähler ist Eigentum des Messstellenbetreibers. Leider gibt es aber ein paar Netzbetreiber, die versuchen, die Kosten auf den Kunden umzuwälzen. Dabei argumentieren sie über das sogenannte Verursacherprinzip.

Sollte diese Situation auf Sie zutreffen, sollten Sie noch einmal nachhaken. Denn bei genauem Hinsehen entbehrt diese Forderung einer rechtlichen Grundlage. Verbraucher verursachen den Zähleraustausch nämlich nicht, sondern ziehen ihn zeitlich nur vor. Weisen Sie Ihren Messstellenbetreiber auch darauf hin, dass der Austausch bis spätestens 2032 ohnehin Pflicht ist.

Welche Kosten Sie aber in jedem Fall zahlen müssen, sind die jährlichen Betriebskosten. Hier können 8 bis 20 € auf Sie zukommen. Der Betrag sollte aber den Ertrag Ihres Balkonkraftwerks kaum schmälern.

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