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Einspeiseanlage, Inselanlage, Nulleinspeiseanlage – das sind die Unterschiede

Einspeiseanlage, Inselanlage, Nulleinspeiseanlage – das sind die Unterschiede

Thor Marquardt
Zuletzt aktualisiert:
1.4.2022

Angesichts steigender Strompreise wünschen sich immer mehr Menschen Unabhängigkeit von den öffentlichen Energieversorgern. Die Lösung lautet Photovoltaik. Welche PV-Anlagearten es gibt und wo die Unterschiede liegen, zeigen wir Ihnen hier.

PV-Anlagenarten auf einen Blick

  • Bei PV-Anlagen wird nach netzgekoppelten und netzunabhängigen PV-Anlagen unterschieden.
  • Netzgekoppelte Anlagen sind der Oberbegriff für Einspeiseanlagen und Nulleinspeiseanlagen.
  • Inselanlagen dagegen haben keine Anbindung an das Stromnetz. Sie bilden somit die Kategorie „netzunabhängig“.

Netzgekoppelt vs. netzunabhängig

Wenn Sie sich für eine netzgekoppelte PV-Anlage entscheiden, werden Sie durch das öffentliche Stromnetz einzuspeisen versorgt, wenn Ihr eigener Strom aufgebraucht ist. Bei netzunabhängigen Inselanlagen ist das nicht der Fall.

Stattdessen bieten Inselanlagen die höchstmögliche Autarkie in Bezug auf Ihre persönliche Energieversorgung. Steigende Strompreise oder auch Ausfälle des Stromnetzes spielen für Sie keine Rolle mehr.

Welche weiteren Vor- und Nachteile die beiden Systeme im Vergleich haben, und für wen welcher PV-Anlagentyp am besten geeignet ist, stellen wir Ihnen nachfolgend vor.

Alles Wichtige zur netzgekoppelten Einspeiseanlage

Besonders geeignet für: Eigenheimbesitzer mit durchschnittlichem Stromverbrauch, die vor allem ihre Stromkosten signifikant senken wollen.

Der erste PV-Anlagetyp, auf den wir hier eingehen, ist das typische Modell, was sich auf den Dächern der meisten Haushalte finden lässt. Dabei handelt es sich um eine PV-Anlage, die den produzierten Strom an das öffentliche Stromnetz abgibt. Natürlich nur den Anteil, den Sie selbst nicht verbrauchen wollen. 

Warum sollten Sie das tun? Wegen der Vergütungsprämie! Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EGG) wird Ihnen aktuell bei einer Anlage mit bis zu 10 kWp Leistung 6,63 Cent pro Kilowattstunde ausgezahlt (Stand März 2022). Wie viel Sie am Ende tatsächlich erhalten, hängt von der Leistung Ihrer PV-Anlage ab. In jedem Fall wird die Auszahlungshöhe immer auf 20 Jahre festgeschrieben.

Wenn Sie Ihre PV-Anlage noch zusätzlich um einen Stromspeicher erweitern wollen, sind Sie auch an sonnenschwachen Tagen stromtechnisch bestens versorgt. Der Eigenverbrauch aus PV-Strom eines durchschnittlichen Haushalts kann so auf bis zu 75 % erhöht werden. Außerdem sparen Sie dadurch gleich doppelt, da Sie nicht nur weniger Strom aus öffentlicher Hand beziehen, sondern auch noch mehr Strom abgeben können.

Vorteil Nachteil
+ Anschaffungskosten werden auf Langesicht vollständig amortisiert - Gewerbeanmeldung
+ Zusatzverdienst über Einspeisevergütung - Bürokratischer Aufwand durch Anmeldung beim Finanzamt

Netzgekoppelte Nulleinspeiseanlage – das muss man wissen

Besonders geeignet für: Eigenheimbesitzer mit hohem Stromverbrauch, die sich auch einen Stromspeicher zulegen wollen, um so den eigenen Solarstrom optimal zu nutzen.

Diese Art der PV-Anlage ist der typischen Einspeiseanlage sehr ähnlich. Wichtigster Unterschied ist nur, dass bei einer Nulleinspeiseanlage kein zusätzlicher Strom erzeugt wird, um ihn an das öffentliche Netz abzugeben. Dadurch haben Sie auch keine Möglichkeit, von der Einspeisevergütung zu profitieren. Außerdem können Sie sich die Umsatzsteuer des Anschaffungspreises nachträglich nicht zurückholen. 

Trotzdem ist eine Nulleinspeiseanlage eine Überlegung wert. Der Wechselrichter, welche Strom aus den Solarzellen in für uns nutzbaren Wechselstrom umwandelt, hat hier noch eine weitere Funktion. Er sorgt bei Nulleinspeiseanlagen nämlich dafür, dass die Stromproduktion der Solarzellen so gut es geht an den Verbrauch des Haushalts angepasst wird. Das funktioniert am besten auch hier in Kombination mit einem Batteriespeicher. 

Dennoch ist die Anlage immer an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Sie brauchen also keine Sorge zu haben, dass Sie plötzlich im Dunkeln stehen, wenn Ihre PV-Anlage bei Ihrem Stromkonsum einmal nicht mithalten kann. 

Vorteile Nachteile
+ Mehr Unabhängigkeit - Keine Rückerstattung der Umsatzsteuer des Kaufpreises möglich
+ Keine Beachtung der EEG-Pflichten - Einspeisevergütung ausgeschlossen

Netzunabhängigkeit durch die PV-Inselanlage

Genauso wie eine Insel sich unabhängig vom Festland behaupten kann, schaffen Sie das auch durch eine Photovoltaik-Inselanlage. Zumindest, was Ihre Stromversorgung angeht. 

Durch die Installation einer PV-Inselanlage mit dem dazugehörigen Stromspeicher wird Ihr Haushalt ausschließlich durch die Kraft der Sonne mit Strom beliefert. Es besteht keine Anbindung an das öffentliche Stromnetz mehr. 

Dafür benötigt die Anlage aber auch eine gewisse Größe und mehr Platz als die anderen beiden Modelle. Denn nur wenn beides gegeben ist, können Sie wirklich einen Autarkiegrad von 100 Prozent erreichen. 

Es ist somit nicht verwunderlich, dass dieser PV-Anlagen-Typ seltener vorkommt. Normalerweise findet man Inselanlagen in abgeschiedenen Regionen, wie beispielsweise bei idyllischen Ferienhäusern oder dann, wenn es keine Anschlussmöglichkeit zum öffentlichen Stromnetz in der Nähe gibt.

Bevor Sie sich aber Gedanken über die Installation einer Inselanlage machen, sollten Sie sich am besten von einem Fachmann beraten lassen. Gemeinsam muss dann Ihr Stromverbrauch und -bedarf ermittelt werden. Für die meisten unter Ihnen wird eine Inselanlage mit hohen Kosten verbunden zu sein, um auch nur ansatzweise den Bedarf eines modernen Haushalts decken zu könne. Ferner wird die benötigte Größe der Anlage mit den begrenzten Flächen von Privatverbrauchen kaum vereinbar sein.

Vorteile Nachteile
+ Maximale Unabhängigkeit - Extremer Kostenfaktor
+ Absicherung bei Stromausfällen - Keine Einspeisevergütung

Gut zu wissen: Sie sehnen sich trotzdem nach mehr Unabhängigkeit mit Ihrer PV-Anlage? Im Ernstfall würden Sie zumindest zeitweise ohne Verbindung zum öffentlichen Stromnetz auskommen wollen? Dann lohnt es sich für Sie vielleicht, eine kleinere Solar-Inselanlage für Notstrom zu installieren. Sollte das Netz einmal lahmgelegt sein, so springt Ihre Einspeise- oder Nulleinspeiseanlage direkt auf das Notstromsystem um.