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Balkonkraftwerk mit 800, 900, 1200 Watt – Was ist erlaubt?

Balkonkraftwerk mit 800, 900, 1200 Watt – Was ist erlaubt?

Thor Marquardt
Zuletzt aktualisiert:
6.2.2026

Balkonkraftwerke bis 600 Watt galten lange als die Obergrenze für die vereinfachte private Stromerzeugung. Das hat sich aber in Deutschland im Mai 2024 geändert.

Wie die Gesetzeslage aktuell aussieht, wann die neue Regelung in Kraft tritt und was Ihnen 800 Watt oder mehr wirklich bringen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Dieser Artikel enthält ein Video mit praktischer Anleitung zum Aufbau, Anmeldung und zur beispielhaften Überwachung eines Balkonkraftwerkes.

Inhaltsverzeichnis

Der Hintergrund zur 800W-Grenze zusammengefasst

Seit der Einführung von Balkonkraftwerken ist die private Erzeugung von Solarstrom kinderleicht. Für die Montage braucht man weder einen Elektriker noch die Erlaubnis des Vermieters. Die Einspeiseleistung des Wechselrichters ist mittlerweile bis 800 Watt erlaubt.

Wichtig:

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Betrieb größerer Anlagen verboten ist! Sie fallen nur nicht mehr unter die vereinfachte Anmelderegelung von Balkonkraftwerken. Dadurch sind sie mit etwas mehr Bürokratie und somit höheren Kosten verbunden.

Das Gesetz sah bisher in Deutschland vor, dass alle Anlagen mit mehr als 600 Watt Nennleistung durch einen Elektriker durchgeführt und beim Netzbetreiber angemeldet werden müssen. Das hat sich mittlerweile im Zuge des Solarpaket 1 geändert.

Damit zieht Deutschland anderen Ländern, wie Österreich oder Luxemburg beispielsweise, nach.

Die 800-Watt-Grenze wurde in Deutschland durch das Solarpaket I eingeführt und orientiert sich an europäischen Vereinfachungsbestrebungen für Kleinstanlagen. Diese Bestimmung besagt, dass (Strom-)Erzeugungsanlagen bis 800 Watt als nicht relevant für das Stromnetz gelten und deshalb nicht meldepflichtig seien.

Im Kampf für den Klimaschutz und im Zuge des anhaltenden PV-Trends entflammte die 600 Watt-Debatte immer wieder. Die Frage der Grenzerhöhung in Deutschland bezog sich nicht mehr darauf, ob, sondern wann sie stattfinden wird.

Am 16. Mai 2024 ist das Solarpaket 1 in Kraft getreten und Beschlüsse rund um Balkonkraftwerke, Solaranlagen auf Dachanlagen, Ein- und Mehrfamilienhäusern, Gewerbegebäuden, Freiflächenanlagen, Mieterstrom und Stromspeicher gefasst.

Balkonkraftwerke mit 800–900 Watt

Zwei PV-Module am Balkon mit der Aufschrift 800W und 900W, einer Hand und einem grünen Symbol

Wie bereits erwähnt ist nun auch der Betrieb einer Steckersolaranlage mit 800 Watt ohne Anmeldung beim Netzbetreiber legal, denn diese erfolgt automatisch mit der Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.

Anlagen mit mehr als 800 Watt Wechselrichterleistung gelten nicht mehr als Steckersolargerät und müssen wie eine reguläre PV-Anlage geplant und angeschlossen werden.

Achtung:

Die Bundesregierung hat den Gesetzesentwurf zum Solarpaket 1 verabschiedet. Alle neuen Regelungen finden Sie in unseren News.

In den meisten Fällen bestehen Mini-PV-Anlagen aus einer Kopplung mehrerer, kleinerer Module. Besonders beliebt ist die Verbindung von zwei 400 Watt oder 450 Watt Paneelen.

Hinweis: In der Praxis hakt der Netzbetreiber nicht bei Ihnen nach, ob Sie eine Mini-PV-Anlage unangemeldet betreiben. Denn der Stromertrag ist hier vergleichsweise gering. Somit kommt es bei unangemeldeten Balkonkraftwerken in der Praxis meistens nicht zu Strafen.

Wann die Anmeldung von Mini-PV-Anlagen notwendig ist und welche Strafen bei Nichtanmeldung folgen können, sollten Sie wissen.

Ein Fachbetrieb ist nur erforderlich, wenn Änderungen an der Elektroinstallation vorgenommen werden. Steckersolargeräte (also bis 800 W Wechselrichterleistung) dürfen grundsätzlich selbst installiert werden

Generelle Vorschriften für das Betreiben eines Balkonkraftwerks größer als 800 Watt:

Balkonkraftwerke gelten in Deutschland nur bis zu einer Wechselrichterleistung von 800 VA als privilegierte Steckersolargeräte. Anlagen oberhalb dieser Grenze werden rechtlich wie reguläre Photovoltaikanlagen behandelt und unterliegen daher strengeren technischen und organisatorischen Anforderungen.

Der Anschluss sollte in diesen Fällen nicht mehr über eine einfache Steckverbindung erfolgen, sondern fachgerecht geplant werden. Je nach Ausführung kann ein fester Anschluss durch eine Elektrofachkraft notwendig sein, ebenso zusätzliche Abstimmungen mit dem Netzbetreiber.

Aus Sicherheitsgründen wird außerdem empfohlen, das Gerät nicht über Mehrfachsteckdosen oder Verlängerungskabel zu betreiben, sondern eine geeignete, dauerhaft installierte Einspeisesteckdose zu verwenden.

Balkonkraftwerk mit 1.200 Watt

Ein PV-Module am Balkon mit der Aufschrift 1200W, einer Hand und einem grünen Symbol

Sie können eine Anlage mit einer Wechselrichterleistung von 1.200 Watt grundsätzlich installieren, allerdings gilt sie dann nicht mehr als Balkonkraftwerk im Sinne der vereinfachten Regelungen. Steckersolargeräte sind in Deutschland nur bis zu einer Einspeiseleistung von 800 Watt privilegiert.

Der Grund dafür ist nicht ein möglicher Stromüberschuss, sondern die technische Einordnung: Anlagen oberhalb dieser Grenze gelten rechtlich als reguläre Photovoltaikanlagen. Dadurch gelten strengere Anforderungen, etwa bei Anschluss, Anmeldung und Netzschutz.

In diesem Fall sind neben der Anmeldung im Marktstammdatenregister auch zusätzliche Abstimmungen mit dem Netzbetreiber erforderlich. Dann werden außerdem technische Anpassungen wie ein geeigneter Stromzähler undein fachgerechter Anschluss durch eine Elektrofachkraft notwendig.

Auch bei der Montage in Mietwohnungen oder an gemeinschaftlichen Gebäudeteilen sollten Sie beachten, dass eine Zustimmung des Vermieters oder der Wohnungseigentümergemeinschaft erforderlich sein kann.

Seit 2024 besteht zwar grundsätzlich ein Anspruch auf Genehmigung, Einschränkungen sind jedoch möglich, wenn berechtigte Gründe wie Sicherheitsrisiken oder bauliche Vorgaben vorliegen.

800W-Grenze: Es ist soweit

Ein 800 Watt Balkonkraftwerk mit Warnsymbol

Die Anhebung der Bagatellgrenze auf 800 Watt wurde mit dem Solarpaket 1 beschlossen. Namhafte Akteure wie der VDE, der Bundesverband der Verbraucherzentralen und das Umweltbundesamt haben sich bereits in der Vergangenheit mehrfach für eine Anpassung der bestehenden Regelung ausgesprochen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat es im Mai 2024 letztlich über die Bühne gebracht.

Solarpaket 1 - weitere Neuerungen

Neben einer Erhöhung der Bagatellgrenze auf 800 Watt hat das Umweltministerium außerdem eine Lockerung der strengen Anmeldevorschriften umgesetzt. So ist die Anmeldung beim Netzbetreiber ganz entfallen (bis 800 Watt). Jetzt ist nur noch die Registrierung im Marktstammdatenregister notwendig.

Des Weiteren wird der Schuko-Stecker bis 800 Watt geduldet. Der VDE hatte sich bislang vehement für einen Anschluss per Wieland-Stecker ausgesprochen.

Es ist zwar prinzipiell beides möglich, doch gerade dieses Thema hat unter Anlagebetreibern und Elektroinstallateuren häufig zu hitzigen Debatten und Unsicherheiten geführt.

Zu guter Letzt hat man über eine Abschaffung des Stromzählers mit Rücklaufsperre diskutiert. Dieser wird nun geduldet, bis der Netzbetreiber einen neuen, digitalen Stromzähler installiert.

Durch die Duldung des rückwärtsdrehenden Stromzählers verschwindet der eingespeiste Strom nicht mehr unvergütet im Netz. Der eingespeiste Strom wird also effektiv „gutgeschrieben“.

Wann lohnt sich ein Balkonkraftwerk mit 800, 900 oder 1.200 Watt überhaupt?

Bevor Sie sich für eine leistungsstärkere Anlage entscheiden, klären wir zunächst die Frage der Wirtschaftlichkeit. Denn nur wenn sich das Ganze am Ende für Sie rechnet, spielen die neuen Energiegesetze für Sie überhaupt eine Rolle.

Denn, vergessen Sie nicht, dass leistungsstärkere Module und Wechselrichter mit einem höheren Anschaffungspreis verbunden sind!

In bestimmten Situationen kann die Anschaffung von leistungsstärkeren Modulen dennoch sinnvoll sein. Nachfolgend sehen Sie die wichtigsten Kriterien:

Individueller Stromverbrauch

Wenn Sie tagsüber einen hohen Energiebedarf haben, etwa durch Homeoffice, Haushaltsgeräte oder Elektroautos, könnte ein leistungsstärkeres Balkonkraftwerk den Eigenverbrauch besser abdecken und Ihre Stromrechnung deutlich reduzieren.

Verfügbare Fläche ohne Verschattung

Wenn Sie genügend Platz auf Ihrem Balkon, der Terrasse, der Fassade oder dem Gartendach haben, können Sie mehrere Solarmodule installieren und von einem leistungsstärkeren System profitieren.

Wirtschaftlichkeit

Vergleichen Sie die Kosten für Anschaffung, Installation und Wartung der Anlage mit den möglichen Einsparungen der Stromkosten, um die Rentabilität eines größeren Balkonkraftwerks zu beurteilen.

Achtung:
Wir empfehlen die Anschaffung einer größeren Anlage nur dann, wenn Sie einen entsprechend hohen Eigenverbrauch aufweisen. Denn überschüssiger Strom von Balkonkraftwerken fließt ohne Vergütung ins öffentliche Stromnetz und Stromspeicher werden bei kleinen Anlagegrößen häufig nicht eingesetzt.

Ob sich ein Balkonkraftwerk mit Speicher lohnt, hängt von Ihrer individuellen Situation ab.

Tipp: Hier finden Sie eine komplette Auflistung aller Förderungen für Balkonkraftwerke in Deutschland.

Kann man Solarmodule nachträglich ergänzen?

Eine nachträgliche Erweiterung eines Balkonkraftwerks ist grundsätzlich möglich, allerdings nur innerhalb bestimmter technischer Grenzen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Modulleistung, sondern vor allem die maximale Einspeiseleistung des Wechselrichters.

Viele handelsübliche Wechselrichter für Balkonkraftwerke bis 800 VA verfügen über zwei Modulanschlüsse. Zusätzliche Module lassen sich daher nicht immer direkt anschließen, ohne die technische Auslegung des Systems zu verändern.

In manchen Fällen können jedoch weitere Solarmodule ergänzt werden, wenn der Wechselrichter die Einspeiseleistung weiterhin auf 800 Watt begrenzt und die zulässigen Eingangswerte nicht überschritten werden.

Einige moderne Geräte unterstützen auch sogenannte Überbelegung, bei der mehr Modulleistung installiert wird, als der Wechselrichter einspeisen kann.

Sobald jedoch ein stärkerer Wechselrichter mit mehr als 800 Watt eingesetzt wird, gilt die Anlage nicht mehr als privilegiertes Steckersolargerät.

Dann greifen die Anforderungen einer regulären Photovoltaikanlage, etwa bei Anmeldung, Netzanschluss und gegebenenfalls fachgerechter Installation.

Sie sehen an dieser Stelle, wie wichtig eine umfangreiche Planung bei Balkonkraftwerken ist. Denn nur wenn dieses optimal auf Ihre individuelle Lebenssituation abgestimmt ist, arbeitet es auch wirklich wirtschaftlich.

Wie viel Strom erzeugt meine Steckersolaranlage bisher?

Drei PV-Module mit Plus Symbol und Fragezeichen

Auf Ihrem Balkon thront bereits eine hart arbeitende Mini-PV-Anlage? Und nun stellt sich die Frage, ob diese ausgetauscht werden soll? Dann haben Sie gegenüber angehenden PV-Anlagen-Besitzern einen großen Vorteil: Sie können ganz genau nachvollziehen, wie viel Solarstrom sie tatsächlich erzeugen.

Um das zu ermitteln, verwenden Sie einfach ein geeignetes Messgerät wie beispielsweise ein Energiekostenmessgerät, eine intelligente Steckdose oder einen WLAN-fähigen Wechselrichter.

Wenn die Leistung Ihres Balkonkraftwerks regelmäßig an die 600 Watt-Grenze heranreicht, könnte sich ein Umstieg auf einen Wechselrichter mit 800 Watt auszahlen. Andernfalls lohnt sich der Wechsel meistens nicht.

Beachten Sie bei Ihrer Überlegung allerdings die aktuelle Regelung zu Stromzählern mit Rücklaufsperre. Durch den Sonnenstand wird der meiste Solarstrom dann erzeugt, wenn man nicht zuhause ist. Überschüssiger Strom wird also an den Netzbetreiber verschenkt, wenn kein Batteriespeicher vorhanden ist.

Aufbau, Anmeldung, Überwachung – Praktische Tipps

Wenn Sie darüber nachdenken, sich ein Balkonkraftwerk zuzulegen, sollten Sie unbedingt unser Video ansehen. 

In diesem umfassenden Leitfaden zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie einfach der Aufbau ist, wie die Anmeldung beim Marktstammdatenregister reibungslos verläuft und wie Sie Ihre grüne Stromproduktion optimal überwachen können. 

Erfahren Sie außerdem, wie Sie Ihre Einsparungen im Blick behalten und so langfristig profitieren.

Wir haben uns ein Balkonkraftwerk – das Basic Roof 890 bifazial (Flachdach) – in Absprache mit der Firma Balkonstrom für einen Test bereitstellen lassen, eigenhändig aufgestellt und das gesamte technische Zubehör unter die Lupe genommen.

Hinweis:
Die im Video gezeigte Anlage ist das Modell: Basic Roof 890 bifazial für das Flachdach.

Exklusiver Gutscheincode: BALKONRABATT
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Fazit

In Deutschland wurde eine Anhebung der Bagatellgrenze von 600 auf 800 Watt beschlossen und viele bürokratische Hürden wurden genommen.

Größere Anlagen können dann sinnvoll sein, wenn ausreichen Platz und ein hoher Stromeigenbedarf vorhanden sind. Allerdings sind dabei höhere Anschaffungskosten und ein zusätzlicher bürokratischer Aufwand zu berücksichtigen. Wir empfehlen eine individuelle Planung und Beratung durch einen Fachbetrieb.

Grundsätzlich ist auch jetzt der Betrieb von 900 oder 1.200 Watt Balkonkraftwerken möglich. Hier gilt es jedoch unbedingt die Anschlussrichtlinien zu beachten.


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