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Balkonkraftwerke: Die Ergebnisse der Stiftung Warentest

Balkonkraftwerke: Die Ergebnisse der Stiftung Warentest

Thor Marquardt
Zuletzt aktualisiert:
17.11.2022

Mithilfe von Mini-Solaranlagen können auch Sie als Hauseigentümer oder Mieter einfach und günstig eigenen Solarstrom erzeugen. Doch was steckt wirklich hinter Balkonkraftwerken und wie stehen unabhängige Testeinrichtung wie die Stiftung Warentest dazu?

Die Stiftung Warentest hat für Sie untersucht, wann sich ein Stecker-Solargerät lohnt. Wir haben alle Ergebnisse hier für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Balkonkraftwerke sind platzsparend, sodass sie problemlos auf den Balkon oder die Terrasse passen.
  • Laut der Stiftung Warentest amortisieren sich Balkonkraftwerke in Abhängigkeit von Eigenverbrauch und Standort nach weniger als 20 Jahren.
  • Die Stiftung Warentest rät von zusätzlich eingebauten Stromspeichern ab.

Wie funktioniert eine Balkon-PV-Anlage?

Balkonkraftanlage

Kleine Photovoltaiksysteme für den Balkon werden auch Mini-Solaranlage, Plug & Play-Solaranlage, Balkonmodule, Mini-PV-Anlage oder Stecker-Solargerät genannt. Das Prinzip funktioniert ganz einfach: Ein Solarmodul erzeugt aus Sonnenlicht elektrischen Strom. Ein Wechselrichter wandelt diesen dann von Gleichstrom in Wechselstrom (Haushaltsstrom) um.

Am einfachsten ist es, wenn der Strom aus dem Balkonkraftwerk direkt in eine Steckdose am Balkon fließt. Die Haushaltsgeräte im Haus ziehen sich dann den benötigten Strom in Echtzeit. Sollte der Solarstrom nicht ausreichen, springt die gewöhnliche Energieversorgung über den Netzversorger ein.

Im Vergleich zu großen PV-Anlagen haben Mini-Solaranlagen einen sehr einfachen Aufbau: Sie bestehen in der Regel aus ein bis zwei Standard-Solarmodulen, einem Wechselrichter und einem Stecker, der direkt in die Steckdose geht.

Interessant: Die Stiftung Warentest berichtet, dass sich Balkon-Solarmodule früher nicht rentiert haben. Grund dafür war eine zu niedrige Leistung im Verhältnis zum Preis. Heutzutage sieht es jedoch anders aus. PV-Module werden nicht nur immer günstiger, sondern immer effizienter. Mittlerweile weisen die besten PV-Module einen Wirkungsgrad von über 23 % auf. Das heißt fast ein Viertel der gesamten eintreffenden Sonnenstrahlen wird effektiv in Strom umgewandelt. Das ist etwa doppelt so viel wie noch vor wenigen Jahren.

Was kostet eine Mini-Solaranlage?

Inzwischen sind die Preise von Balkonanlagen stark gesunken. Die Stiftung Warentest verweist an dieser Stelle auf Berichte der Verbraucherzentrale. Laut dieser kostet ein 300-Watt-Modul mit einer Größe von 1 mal 1,7 Metern zwischen 350 und 500 Euro. Dazu kommen noch Kosten von ca. 100 Euro für die Montage.

Ein verschattungsfreies Solarmodul am Südbalkon soll 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen können. Dabei weisen Balkonkraftwerke genau wie herkömmliche Photovoltaikanlagen eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren auf. Die Verbraucherzentrale rechnet vor, dass sich der Preis pro Kilowattstunde Solarstrom in dem Fall bei ca. 11 Cent einpendelt.

Die Stiftung Warentest wirft an dieser Stelle ein, dass dies bei einem aktuellen Strompreis von 40 bis 60 Cent eine unglaublich hohe Rendite bedeutet und untersucht genauer.

Der Ertrag ist standortabhängig

Schon bei der Montage eines Balkonkraftwerks wird die Stiftung Warentest fündig. Das oben beschriebene Szenario ist nur unter optimalen Bedingungen erzielbar. Die Stiftung empfiehlt daher, die Paneele nach Süden zu neigen. Nur so kann die Sonne ganzjährig genutzt werden. Des Weiteren sollte der Ausrichtungswinkel zum Horizont ca. 30 bis 40 Grad betragen.

Bedeutet dies in Ihrem Fall jedoch, dass die Solarmodule verschattet werden, haben Sie nichts gewonnen. Verschattung und Ausrichtung sind für die Stromproduktion die entscheidenden Kriterien bei der Montage. Sonst steigen die Kosten pro gewonnene Kilowattstunde schnell auf weit über 20 Cent.

Der Ertrag ist abhängig vom Eigenverbrauch

Bei vielen Balkonkraftwerk-Anbietern finden Sie auch passende Stromspeicher im Angebot. Doch die Stiftung Warentest warnt an dieser Stelle. Weder finanziell noch für den Klimaschutz – ein Batteriespeicher als Puffer lohnt sich bei Mini-PV-Anlagen nicht. So ist ein Solarstromspeicher bei den geringen Strommengen beispielweise in den Wintermonaten nutzlos. Die Anschaffungskosten amortisieren sich so nur schwer.

Folglich macht die Stromproduktion über ein Stecker-Solargerät nur dann Sinn, wenn Sie auch wirklich viel davon verbrauchen. Denn Stecker-Solargeräte sind eigentlich nicht für die Netzeinspeisung gedacht.

Tipp der Stiftung Warentest: Überprüfen Sie Ihre permanenten Stromkonsumenten im Haus. Auf Basis eines gleichmäßigen Stromverbrauchs kann dann ermittelt werden, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt. Zur Orientierung: Eine Kühl-Gefrier-Kombi benötigt durchschnittlich 100 Watt, ein W-Lan-Router 10 Watt und eine Waschmaschine je nach Betriebsart bis zu 2.000 Watt pro Waschgang.

Ausrichtung des Balkonkraftwerks in Abhängigkeit des Eigenverbrauchs

Die Ausrichtung einer Mini-PV-Anlage

Nicht nur der Stiftung Warentest ist bewusst, dass Privathaushalte vor allem morgens und abends den höchsten Stromverbrauch haben. Das ist natürlich ein Problem, wenn der meiste Strom bei einer Südausrichtung tagsüber gewonnen wird.

Auf Anraten der Stiftung Warentest kann es daher lohnend sein, die Module nach Osten und Westen auszurichten. So ist ein Teil der Anlage bereits bei Sonnenaufgang aktiv, während der andere Teil abends arbeitet. Diese Variante ist aber mit doppelt so hohen Anschaffungskosten verbunden. Je nachdem, wie hoch dann der Eigenverbrauch ist, kann sich die Investitionssumme dennoch auszahlen.

Achtung: Wer über diese Methode nachdenkt, muss einen geeigneten Wechselrichter einbauen, so die Stiftung Warentest. Die Ausgangsleistung muss dann bei 600 Watt gedeckelt werden.

Rechenbeispiel: Lohnt sich eine Mini-Solaranlage?

Nachdem wir die beiden großen Faktoren, Standort und Eigenverbrauch, für die Rendite eines Balkonkraftwerks besprochen haben, stellt sich die entscheidende Frage: Lohnt sich die Investition? Hierzu hat die Stiftung Warentest ein konservatives Rechenbeispiel vorgestellt.

Hintergrund:

  • Anschaffungspreis: 350 €
  • Leistung des Solarmoduls: 300 Watt
  • Ertrag: 200 kWh pro Jahr
  • Selbstverbrauch: ein Drittel
  • Stromkosten pro kW/h: 0,40 €

Rechnung:

  • Die Ersparnis liegt bei 66 kWh zu je 40 Cent.
  • Das sind 26,40 € pro Jahr

350 € / 26,40 € = 13,3 Jahre

Ergebnis: Da ein Balkonkraftwerk eine Lebensdauer von mehr als 20 Jahren hat, lohnt sich die Investition laut der Stiftung Warentest deutlich. Die Kosten werden nach 13 Jahren und 4 Monaten amortisiert. Allerdings wurde in diesem Fall mit einer Leistung unter optimalen Bedingungen kalkuliert.

Die Stiftung weist auch darauf hin, dass sich die Amortisationszeit auch noch deutlich verkürzen lässt. Hierfür muss man nur den Eigenverbrauch erhöhen.

Hinweis der Stiftung: Ob und wann sich ein Balkonkraftwerk auch bei Ihnen lohnt, erfahren Sie im praktischen Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin.

Kosten für die Netzeinspeisung

Wichtig für den Einbau eines Balkonkraftwerks ist auch die Wahl des richtigen Stromzählers. Dieser muss in jedem Fall eine Rücklaufsperre aufweisen. Alles andere käme einer Urkundenfälschung gleich.

Für die Stromeinspeisung ins Netz wird zudem ein besonderer Zähler benötigt. Dieser muss in beide Richtungen separat messen können. So kann eindeutig unterschieden werden, wie viel Strom der Verbraucher aus dem Stromnetz bezogen und wie viel er ins Stromnetz geliefert hat.

Hierfür steht ein Gang zum Finanzamt an. Hinzu kommt der zugehörige bürokratische Aufwand. Ob und welche weiteren Kosten in diesem Zusammenhang anfallen, hängt dann vom Netzbetreiber ab. Somit ist ein Stecker-Solargerät eher für den Eigenverbrauch gedacht.

Stromzähler Icon

Checkliste der Stiftung Warentest: Balkonkraftwerk einbauen und anmelden

Um auf der sicheren Seite zu sein und das meiste aus Ihrem Balkonkraftwerk herauszuholen, können Sie sich an diesen Schritten orientieren:

1. Genehmigung einholen

Je nachdem, wo Sie die Mini-Solaranlage aufstellen wollen, brauchen Sie eine Erlaubnis des Vermieters oder Miteigentümers.

2. Förderungen beantragen

Manchmal werden von den Kommunen, einzelnen Bundesländern oder Regionalverbänden Fördermaßnahmen für Balkonkraftwerke angeboten. Nachfragen lohnt sich. Ein Antrag muss in der Regel vor dem Kauf eingereicht werden.

3. Anmeldung

Die Anmeldung gilt sowohl beim lokalen Netzbetreiber als auch bei der Bundesnetzagentur.

4. Sichere Montage

Da sich das Modul draußen befindet, muss die Mini-Solaranlage sturmsicher befestigt sein. Viele Bundesländer schreiben zudem eine sogenannte „Wieland-Steckdose“ vor. Wer jedoch einen Modulwechselrichter einbaut, der über den vorgeschriebenen Netz- und Anlagenschutz verfügt, benötigt keinen Wieland-Stecker. Das bestätigt die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie.

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